Ist der Mensch des Menschen Wolf
oder spielt er Minigolf?

Weitere einhundert Gedichte
von Peter Fuchs

 

- 101-

Verhütung

Der Literat
schritt zur Tat
zog Kondom aus Automat.

Leider müssen wir berichten
dies verhütete mitnichten
das Erzeugen von Gedichten.

 

- 102 -

Alte WÖRTER gegoogelt

Ein NACHSCHLAG war, was man sich holte
wenn einem der Magen grollte.

Ein SCHLAGWERK war, was in der Uhr
schlug, daß man die Zeit erfuhr.

Ein NACHSCHLAGWERK gibt es noch heute
jedoch nur für alte Leute.

 

- 103 -

Das Hemd des Dichters Morgenstern

Der Dichter wäscht sein letztes Hemd
weil er sich dessen Anblicks schämt.

Es rattert die Waschmaschine
das Hemmed verliert die Sinne.

Noch flattert das Einsame Hemmed
doch bald es sich verklemmet.

 

- 104 -

Der Lebensberater

Ein Mann war seines Glückes Schmied
da er jedes Pech vermied.
Hierdurch wurde er zum Weisen
und so macht er sich auf Reisen.

Morgens gelt er sich die Haare
abends hält er Seminare
wo man unter seiner Leitung
rasch erlernt die Pech-Vermeidung.

 

- 105 -

Das Landleben

Haufenweise Heu im Stadel
doch im Heuhaufen die Nadel.
Der Bauer wirft die Magd ins Heu
prompt erhebt sie ein Geschrei.

Lange hatte man gesucht
dennoch hat die Magd geflucht.
Der brave Bauer unverzagt
zieht die Nadel aus der Magd.

 

- 106 -

Loreley

Es raget aus dem Deutschen Rhein
wie bekannt ein großer Stein
drauf sitzet eine Frisöse
die in obszöner Blöße
kleine Steine runterschmeißt
und der ICE entgleist!

 

- 107 -

Die wilde Müllkippe

Der Giftmüll ist versunken
die Unken sind ertrunken
wo einst der Bach floß klar.
Die toten Tiere schweigen
und aus der Lach entsteigen
die gelben Dämpfe wunderbar.

 

- 108 -

Die Kulisse

Mitten in Berlin liegt diese
ungenutzte grüne Wiese.
Manch Japaner fragt sich heute:
warum steht dort kein Gebäude?

Daß ein Preussenschoß zu groß
ist zwar klar, es fragt sich bloß
ob sich die Berliner trauen
dort Neuschwanstein nachzubauen.

 

- 109 -

Der schlechte Dichter

Manch Dichter schreibt schlechte Gedichte
dies beschäftigt dann Gerichte.
Doch da auch die Richter saufen
lassen sie die Dichter laufen.

Doch diesem fehlt die rechte Richtung
und das ward ihm zum Verhängnis:
er erhielt für schlechte Dichtung
dreizehn Monate Gefängnis.

Durch eine zu milde Haft
hielt er seine wilde Kraft
war auch weiterhin ein schwieriger
jedoch angepasster Lyriker.

 

- 110 -

Das alte Lied mit den Scharlatanen

Die Homöopathen
können zwar nix schaden
und Pfarrer Kneippens Pfützen
können sogar nützen.

Abgekochte Affenhoden
sind in China streng verboten,
doch hierzuland wird man betrogen
von Heilern und Scientologen.

Der Beauftragte für Sekten
kümmert sich um die versteckten
Scharlatane und auch um
kriminellen Psycho-Boom.

Dies soll vor Therapien schützen
die uns nachweislich nix nützen.
Ausgenommen ist nur diese
Kassen-Psychoanalyse.

Hierfür sollten wir die raren
Kassengelder besser sparen.
Doch die Analytiker
wurden immer wütiger.

Und wer schult dann Sigmunds Erben
in den ehrlichen Gewerben?
Beispielsweise auf den harten
Job für Rentner-Kaffeefahrten?

 

- 111 -

Die Stadt BI

Um Bielefeld wucherten viele
nette violette Stiele.
Zunächst wuchsen sie versteckt,
doch sie haben BI bedeckt.

Wer das Städtchen BI nun sucht:
es ist komplett überwucht,
was dann zu dem Eindruck führt,
Daß BI gar nicht existiert.

Ein Wissenschaftler fand soeben:
BI hat es real gegeben
und es liegt nicht auf dem Mond;
leider ist BI unbewohnt.

Wo BI streng genommen wäre
wogen violette Meere.
Die Stiele streuten ihre Saat,
um Bielefeld ist es nicht schad.

 

- 112 -

Der Slogan zur Wahl

Es war einmal vor einer Wahl,
lange vor der Wende,
als ein Kanzler uns empfahl:
"Keine Experimente!"

Um solche alten tollen
Sprüche nicht zu wiederholen
hat die Kanzlerin empfohlen:
"Keine Kapriolen!"

 

- 113 -

Herbsttag im Bauamt

Der Beamte sitzt im Sessel
ganz zufrieden und famos
zuweilen steht er auf und geht zum Kaffeekessel
und auf den Fluren läßt er Winde los.

Dort geht er langsam hin und her:
Soll er den Bauantrag noch unterschreiben?
Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr!
Man soll die Hast nicht übertreiben.

 

- 114 -

Vergiftetes Lob

Der Dichter Bertold Brecht
träumte einmal schlecht,
und hat im Schlafe wild getobt,
denn er wurde mild gelobt:

Ein Großschriftsteller tat von oben
ihn als Nachwuchsdichter loben
und sagte, wie gehabt:
"Er ist sehr begabt."

 

- 115 -

Im Naturpark Wattenmeer

Der Wanderer im Watt
hat das Watt bald satt.
Doch steckt er mal im Dreck
kommt er nicht mehr weg.

Ein Tier erwacht aus seinem Schlummer
das ist der Westerländer Hummer.
Der Wanderer blickt bange
auf die lange Zange.

Doch ob er zappelt, schreit und winkt
bewirkt nur, daß er tiefer sinkt
und dann kommt die Flut
schon ist alles gut.

Das Watt ernährt den Hummer
der Hummer ist kein Dummer:
So liebt der Hummer fade Reste
der Westerländer Badegäste.

 

- 116 -

Klassenbewußtsein

Der Normalverbraucher Otto
kauft bei Aldi, zockt im Lotto.
Hierdurch werden die da oben
isoliert und abgeschoben.

Die gehören quasi
nicht mehr zu ihm, da sie
ihr Essen ganz woanders kaufen,
zum Zocken an die Börse laufen.

 

- 117 -

Das Manna

Stalin war verroht
hat Berlin bedroht
da entstand zum Glücke
eine Luftebrücke.

Der Berliner nahm
was von oben kam.
Das tut er noch heute
sagen böse Leute.

 

- 118 -

Der Plattmacher

Ein alter Baum wurde gefällt
eine Made ist zerschellt,
denn sie saß mit ihrem Kinde
Hinter dieses Baumes Rinde.

Solcher Reim ist sehr hart!
Nicht so für Heinz Erhardt:
Dieser hat nur matt gelacht
und die Made platt gemacht!

Ist es schad daß er das tat?

 

- 119 -

Des Sängers Fluch

Ein Sänger hatte Mundgeruch
dieses war des Sängers Fluch.
Der Sänger gurgelte mit Chlor
und war akzeptiert im Chor.

Allerdings klang sein Tenor
hiernach anders als zuvor:
Irgendwie klang er sehr grell
giftig artifiziell.

 

- 120 -

Herzschmerz

Der Tod der Königin der Herzen
brachte Frauen große Schmerzen.
neunundneunzig neun Prozent
haben bitterlich geflennt.
Nur ein Rest, Null Komma eins,
flennten nicht, sie hatten keins.

 

- 121 -

Berlin, halt ein...
(nach Paul Zech)

"Berlin, das ist ein Höllenpfuhl,
da hockt die Hure Zeitvertreib
in einem goldnen Schaukelstuhl
und bläht ihn auf, den blanken Leib."

Frech schrieb dies der Dichter Zech
Zechs Berlin ist leider wech.
Berlin gleicht (bitte nicht lynchen)
mehr und mehr der Ortschaft München.

 

- 122 -

Geld macht nicht glücklich

Mancher Millionär
hat es heute schwer
Mancher fühlt sich ganz erbärmlich
ausgebrannt und leer und ärmlich.

Was bedeutet schon
eine Million?

Oft führt hoher Lohn
in Depression.
So ist Mindestlohn für alle
Kein Ausweg aus der Armutsfalle.

 

- 123 -

Loriots Laus

In einer Steinwand war ein Loch
aus dem eine Steinlaus kroch.
Ich sah sie durch mein Zimmer schleichen
und die andere Wand erreichen.
Sie fraß ein Loch in diese Wand
in dem sie gewandt verschwand.

Wie? Ich glaub, du zweifelst noch?
Und die Steinlaus gibt es doch!

 

- 124 -

In Memoriam Heinz Erhardt

Unterm Einfluss eines Föhns
reimte er uns manches Schöns!

Hierin ähnelte er Schiller,
allerdings war Erhardt stiller.

Wo Schiller nie ein Ende fand,
kürzt Erhardt, wie bekannt, gewandt.

Nöte mit dem Versfuß hat er keine,
verglichen mit dem Goethe seine.

Könnte man es mit den weichen
Reimen des Heinen vergleichen?

Mitnichten! Die Gedichten
des Erhardt sind schon sehr hart!

 

- 125 -

Belsazar

Von Heine wissen wir davon:
Die Mitternacht zog näher schon,
in stummer Ruh lag Babylon.

Nur Belsazar starrt gebannt
auf die Leuchtschrift an der Wand,
ohne dass er sie verstand.

Bald war dem Belsazar klar,
dass dies nicht agyptisch zwar,
sondern unklar kryptisch war.

Da in seinem ganzen Land
jene Schrift ganz unbekannt,
sei der Inhalt hier genannt:

MENETEKELUFARIEM!

hieß die Schrift und das ist ziem-
lich verständlich, wenn du weißt,
was das kurze Wörtchen heißt.

 

- 126 -

An Eugen Roth

Ein Mensch, der flitzte her und hin
und frug sich schließlich nach dem Sinn
warum er dieses Flitzen treibt
und nicht ruhig sitzenbleibt.

Lieber Mensch, mit Eugens Segen
höre auf, dich zu bewegen
und dich künstlich aufzuregen
statt dich brünstlich hinzulegen.

 

- 127 -

In der U-Bahn Linie Eins

Ein Kind auf Mutters Arm
schreit, dass Gott erbarm!
Worauf die Mutter barsch
das Kind zwickt in den Arsch.

Auf diese dumme Lehre
fällt eine stumme Zähre
auf Mutterhand, die sachte
das Kind zum Schweigen brachte.

 

- 128 -

ars bibendi

Ich saß mit einem Weibe
in einer Kneipe
auf einer Bank
und trank

Als ich zuviel getrunken
hat sie abgewunken
und sagte: Du
gibst Ruh!

Du
bist zu!

 

- 129 -

Alle Fragen offen

Wer kann beweisen
warum Züge entgleisen?
Warum die schnellen
Flieger zerschellen
und die flinken
Traumschiffe sinken
und die teuern
Kondome scheuern
und die Reaktoren
ohne Grund verschmoren
und, wovor es jedem graust
der Lift defekt nach unten saust?
Warum müssen wir beklagen,
dass sich Wagen überschlagen?
Alles Schrott!
Gibt es Gott?
Niemand wagt es laut zu sagen:
Bleiben Fragen über Fragen!

 

- 130 -

Die Deutschlehrerin

Tagsüber ist die Germanistin nett
da muß sie Schüler unterrichten
doch nachts liegt sie frustriert im Bett
und so liest sie in Gedichten:

Statische von Gottfried Benn
doch von diesen wird sie wahn-
sinnig und so liest sie denn
dynamische von Ulla Hahn.

 

- 131 -

Der Herrenabend

Harte Arbeit, frohe Feste!
bald erscheinen erste Gäste
und der Gastgeber ist froh
denn es gibt ein Gästeklo.

Wenn die Gäste sich betrinken
können sie vorm Niedersinken
oder wenn sie sonstwie schwächeln
sich ins Gästeklo erbrecheln.

 

- 132 -

Der Biertrunk

In der Bahnhofswirtschaft von Kösen
sog Nietzsche vier Seidel Bier
und handelte sich einen bösen
Vollrausch ein dafür.

Da war er noch pubertierend
vor sich das pralle Leben.
Sein Ende hat resignierend
ein Dichter wiedergegeben:

"Indes Europas Edelfäule
an Pau, Bayreuth und Epsom sog,
umarmte er zwei Droschkengäule,
bis ihn sein Wirt nach Hause zog."

 

- 133 -

Die Anonymen Dichter

Wir sind die Dichter von Berlin
und geben zu: Wir dichten!
Fast raffte uns das Laster hin,
ein Leiden aller Schichten.

Alle, die dem Dichten frönen,
treffen sich, um diesem Leiden,
das ein Laster, zu entwöhnen
oder Rückfall zu vermeiden.

 

- 134 -

Der Fluch des toten Kaisers

Kaiser Karl der Große
besaß eine Dose
die trug er nachts ins Bett
tagsüber im Jackett.

Nun ist man nach tausend Jahren
unter raren Exemplaren
und nach vielen falschen Dosen
auf die richtige gestoßen.

Doch die Dose ist verflucht
denn so viel man auch versucht
will sie sich nicht öffnen lassen
keine Dosenöffner passen.

 

- 135 -

Wer nicht fragt bleibt dumm

Das Makkaroni hat ein Loch.
Stammt dies Loch vom Koch?
Wo kommen diese Löcher her?
Mach die Antwort nicht so schwer:

Das Makkaroni ungelogen
wird von Köchen ausgesogen
wobei zu diesem Saugen
nur Meisterköche taugen.

Das Innere, wenn es noch zuckt,
wird vom Koch dann ausgespuckt
heißt ab sofort Spaghetti.
Alles kapiert?
Paletti!

 

- 136 -

Die verschollenen Gedichte

Ein Dichter tippte
seine Skripte.
Diese wurden ihm gestohlen
(er war nur mal Brötchen holen).

So sind die schönsten Gedichte
deutscher Kulturgeschichte
wenn nicht gar der ganzen Welt
ein für allemal verschellt.

 

- 137 -

Im Deutschen Wald

Der Jäger oft daneben zielt
deshalb gibt's im Wald noch Wild.
So entwickelt sich Balance:
auch das Wild hat seine Chance.

Doch bekanntlich wächst rasant
im ganzen Land der Wildbestand:
es gibt zuwenig Jäger
durch Selbstmord und Querschläger.

 

- 138 -

Die Deutsche Gemütlichkeit

Der Deutsche war nie xenophob
nur beim Essen wird er grob:
Die gute Wurst grillt er mit Gier
den Blutedurst stillt er mit Bier.

Darum ging er öfters los
ganz famos auf den Franzos:
Es hieß, der äß das Bein der Frösche
und seinen Durst mit Rotwein lösche.

 

- 139 -

Der Verkauf Berlins anno 1373

Otto der Faule hieß der Bayer
der auf einer feuchten Feier
bei der er sich dämlich saufte
einst die Stadt Berlin verkaufte.

Im Fürstenwaldener Vertrag
verkaufte er auf einen Schlag
zur Tilgung seiner Schulden
Berlin um ein paar Gulden.

Den Vorteil hat dies immerhin:
Berlin würde sonst nicht Berlin
sondern, das läßt sich beweisen,
Unterhaching heißen.

 

- 140 -

Der arme Glückspilz

Ein Glückspilz und ein Fußpilz
die hatten einen Streit
der Fußpilz war viel stärker
der Glückspilz voller Neid.

Der Glückspilz voller Ärger
denkt noch einmal zurück:
ich Glückspilz hab nun Fußpilz
der Fußpilz hat mein Glück!

 

- 141 -

Grausame Natur

Zum Löwen sagt das Gnu:
Wer bist denn Du?

Als es dieses frug,
war das Gnu nicht klug,
da der Löw mit 'nem Biss
unser Gnu zerriss.

Was hatte dieser Löwe bloß?
Das war doch fies und rücksichtslos!

 

- 142 -

Der Titan

Ein Eisberg sich nach Süden wandte
und rannte in das wohlbekannte
Drama, welchem wir gebannt
folgen auf der Breitleinwand:

Der Dampfer ist ein Zwerg
neben unserm Berg.
Der Dampfer rammt im Wahn
den friedlichen Titan!

Der Berg in seiner Qual
vernimmt noch den Choral:
Näher mein Gott zu Dir!
und denkt: Wie warm wird mir!

Da er als kaltem Wasser
und leider nicht aus Holz
ward er bald nass und nasser,
doch heiter er zerschmolz.

 

- 143 -

Der schlaue Bauer

"Warum ist mein Spargel krumm?"
fragt der Spargelbauer dumm.
Solches war dem Bauersmanne
zwar bekannt von der Banane,
doch die Vorschrift der EU
läßt nur grade Spargel zu.
Also bog er ohne Gnade
seine krummen Spargel grade
vorschriftsmäßig, aber schade.

 

- 144 -

Aus dem Palaeolithikum

Der Urmensch empfand große Qual:
Wirrnis war und Wahn und Wut!
Er gründet im Neandertal
das Deutsche Normeninstitut.

Dort zeichnet er auf DIN-A-VIER
ein Wesen, das noch unbenannt.
Unterdessen ist dies Tier
als DIN-A-Saurier bekannt.

 

- 145 -

Dein Freund und Helfer

Ein Mann war Polizist
dazu guter Christ.
So tat er als ob er sich schneuzte
als ein Mann bei Rotlicht kreuzte.

Doch dem christlichen Gebaren
folgt Disziplinarverfahren:
Solch ein guter Schutzmann tauge
nicht als das Gesetzes Auge!

 

- 146 -

Lob der Keuschheit

Im Verkehr der Blutdruck steigt
da man zur Ekstase neigt.
Man bringt uns ins Krankenhaus
und dort ist's natürlich aus.

Nach Verkehr der Blutdruck sinkt
und man uns zum Notarzt bringt.
Dieser winkt nicht selten ab
da der Blutdruck schon zu schlapp.

Niemand soll darüber scherzen!
Nimm dir folgendes zu Herzen:
Der Weise bleibt für alle Fälle
keusch und rein und Junggeselle.

 

- 147 -

Die Steinerne Hochzeit

Ein Stalaktit nach langem Schlaf
auf seine Stalagmitin traf.

Da dies noch nie vorgekommen
waren beide wie benommen.

Sie beschlossen beizuwohnen
doch dies dauerte Aeonen.

Somit bleibt hier unbeschrieben
was sie miteinander trieben.

Beide zeigten keine Eile
wurden schließlich eine Säule.

Und sie schliefen wieder ein
als ein grundsolider Stein.

 

- 148 -

Nietzsches Peitzsche

Nietzsche ging sinnend her und hin
doch da blieb er plötzschlich stehn
denn es kam ihm in den Sinn:
Sollt er nicht zum Weibe gehn?

Man sah Nietzsche mit Beeilung
in das nächste Kaufhaus laufen
und dort in der Spielabteilung
eine kleine Peitzsche kaufen.

 

- 149 -

Der Bazi

Warum kam der Bayer
nicht auf den Himalaya?
Durch zu starken Schneefall
kam er nur bis Nepal.

Er überwintert
vom Schnee behindert.
In diesem Winter
zeugte er Kinder.

Hat unterdessen
Bayern vergessen.
Bräute in München
wolln ihn lynchen.

Und in Oberammergau
jammert seine Ehefrau.
Doch der Bazi ist da hinten
für sie alle nicht zu finden.

 

- 150 -

Voilà: Friederike Kempner (1836-1904)

"Mich greift die Langeweile,
Ich schreibe keine Zeile,
Kein Vogel gedeiht in solcher Luft,
Wo alles nur nach Gelde ruft;
Wo alles raset nach Gewinn,
Kommt einem gar kein Lied in Sinn;
Die Bäume stehen öd und leer,
Man hört kein einzig Zwitscher mehr!"

Eben las ich dies Gedicht
und mir wurde wieder licht!
Diesen Reim schrieb nicht ein Klempner
sondern Friederike Kempner,
meine leider oft verkannte
geistig innig Anverwandte.
Fröhlich sag ich ihr Ade!
weil ich einen zwitschern geh.

 

- 151 -

Berliner Parallelgesellschaft

Berlin ist einschlägig bekannt
für ethnisch definierte Banden.
Die kommen aus dem Schwabenland
als raffinierte Immigranten.

Da sich diese wackern Schwaben
ihres Dialekts genieren
und hier nichts zu ackern haben
sind sie schwer zu integrieren.

 

- 152 -

Der Fußgängertunnel

Unterführungen verführen
manchen Mann zum Urinieren.
Wachbeamte, die dort lauern
sehen selten Frauen kauern.

Dies Verhältnis ist in Ländern
und Kommunen schwer zu ändern.
Die Forderung nach Frauenquote
gliche einer flauen Zote.

 

- 153 -

E- und U-Lyrik

Gebrauchslyrik ist schnell verraucht
wenn man sie nicht ständig braucht.
Ernste Lyrik kann dagegen
man getrost beiseite legen.
Erstere ist Mist und seicht,
letztere vergisst man leicht.

 

- 154 -

Ruhestörung

Ein Querulant beschwert sich sehr
bei der Deutschen Bundeswehr:
Sie schieße, knalle, mache Krach,
flög im Tiefflug übers Dach!

Auch bei den Paraden
könne es nix schaden
die Musiker darauf zu drillen
daß sie etwas leiser spielen!

Zwar war die Bundeswehr beleidigt
doch sie hat sich nicht verteidigt
sondern endlich aufgerafft
und die Wehrpflicht abgeschafft.

 

- 155 -

Aus einer Studie des Verkehrministeriums

Auf Deutschlands Straßen allerorten
herrscht bekanntlich Massenmorden.
Endlich ist mit Steuergeld
hierzu ein Gutachten erstellt:

Auf Deutschlands Straßen, das ist klar
lauert tödliche Gefahr:
Deshalb rast ein jedermann
durch das Land, so schnell er kann.

 

- 156 -

Der Heilpraktiker

Es war ein Schamane
der war nah am Wahne,
denn er nur selten Kunden
fürs Schamanentum gefunden.

Doch die Kranken riefen
nach Alternativen.
Da gab sich der Schamane hin
der Gerätemedizin.

 

- 157 -

Die Dunkelziffer

Jede Dunkelziffer war
bisher dunkel, das ist klar.
Doch zum Beispiel gibt's von Kiffern
differente Dunkelziffern:
Eine davon sagt, es sind
ziemlich viel, vom Greis zum Kind.
Doch in diesem Zweifelsfalle
sag ich dir: Es kiffen alle!

 

- 158 -

Deutsches Weinlied
(Nach U. Jürgens und den Herzbuben)

Herzilein, du mußt nicht traurig sein
schuld ist doch nur der Wein!
Ich laß ihn sein, weil ich sonst traurig werde
Griechischer Wein ist wie das Blut der Erde!

Doch schenk nur ein
mein Herzilein
Griechischen Wein
zum Traurigsein.

 

- 159 -

Eine kleine Harfarie

Die Harfinistin sitzt und harft
im Wattenmeere auf der Warft.
Eigentlich spielt sie Trompete
doch eine Trompete hätte
keinen Reim auf Warft und Watt.
So entschied sie sich anstatt
solcher Blaseinstrumenten
eins zum Zupfen zu verwenden.

 

- 160 -

Der Straßenarbeiter

Einem Arbeiter der Faust
schließlich vor der Arbeit graust.
Also schrieb er Lyrik
das ist nicht so schwierig:

Man holt sich auch bei vielen
Versen keine Schwielen.
Auch hat ein Gedichteschreiber
wie bekannt die schönsten Weiber:

Wenn er auf Lesereise tingelt
und der Reisewecker klingelt
liegt da eine schöne Frau
anders als im Straßenbau.

 

- 161 -

Berlinfahrt der Landjugend
(nach dem Gedicht "Besuch vom Lande" von
Erich Kästner)

Sie stehen gelangweilt am Potsdamer Platz
und finden Berlin zu leise.
Sie dachten, hier sei mehr Rabatz,
ein Schüler sagt nur einen Satz:
Dieser Platz ist Scheiße!

Sie stehen herum und wundern sich bloß
und wissen nicht aus noch ein:
hier ist so garnix los
hier ist die tote Hos
Sie finden Berlin zu klein.

Sie sind heut an den Times Square gewöhnt
und nicht an solche Schande
ein Abklatsch Manhattans, etwas geschönt
weshalb man den Platz als Potzel verhöhnt
und ist man auch vom Lande.

 

- 162 -

Des Riffes Untergang

Es lauerte ein Riff
auf sein nächstes Schiff.
Jeder Leser schwört:
das hat er schon gehört!
Doch diesmal ist das Schiff zu groß
und spürt von diesem Riffe bloß
daß am Bauche etwas juckt.

Zwar hat das Riff sich noch geduckt
und das Schiff tat viele Pfiffe
daß es nicht am Kiele schliffe.
Das arme Riff hat es vernommen
doch da war's bereits verkommen:
ging zuschand in kleine Stücke
wo es stand gähnt eine Lücke.

 

- 163 -

Die Primaten

Der Affe wohnt gerne auf den Bäumen
der Mensch wohnt gern in engen Räumen
im Sozialen Wohnungsbau,
der Affe oft im Drahtverhau.

Dies hatte sich so ausgemendelt
daß man nicht zusammenhändelt
oder gar nach einer Weile
Tisch und Bett beisammen teile.

Beide der Primaten
sind so gut beraten:
Sie kommen sich nicht in die Quere
auf daß keiner sich beschwere.

 

- 164 -

Der Aufruhr

Ein Wasserwerfer Wasser warf
so stieg an Wasser der Bedarf.
Da der Wasserdruck stark sank
der Bürger sich an Wein betrank.

Worauf die Lage eskalierte
da der Bürger randalierte.
Der Bürger die Gesetze brach;
der Wasserwerfer kam kaum nach.

Viele Wasserwerfer pumpen
noch mehr Wasser auf die Lumpen
die voll Hass in Massen sitzen
in den nassen Straßenpfützen.

 

- 165 -

Die Schwäbsche Eisebahn

Ein Trupp von Schwaben schafft sich an
die bekannte Eisenbahn.
Hierfür sparten sie viel Geld
denn sie wollten in die Welt.

Jedoch fand der Schwabentrupp
noch ein Haar in ihrer Supp:
Ihnen wurde gegenwärtig
daß der Bahnhof ebenerdig.

 

- 166 -

Adel verpflichtet

Ein Edelmann von hoher Rasse
ging flanieren auf der Straße
doch Kot von einem Rassehund
sich auf dieser Straße fund.

Der Adlige trat hinein
und ließ Adel Adel sein.
Er fluchte wie die Unterklasse
auf die krasse Wundermasse.

 

- 167 -

Mensch und Huhn

Ein jedes Huhn, sobald geortet
wird vom Menschen kalt gemordet.

Der reiche Mensch hat heiße Lust
auf des Huhnes weiße Brust.

Der arme Mensch kocht sich dann eine
Suppe aus des Huhnes Beine.

Hierauf ärmste Menschen kochen
einen Sud aus Hühnerknochen.

Dann kommt des Menschen Mops vorbei
und stiehlt dem Koch des Huhnes Ei.

Die These nicht zu kühn erscheint
daß der Mensch ein Hühnerfeind.

 

- 168 -

Der grüne Daumen

An der Banke in dem Parke
lehnte eine schlanke Harke.
Der Gärtner ging ein Sixpack holen
fix war die Harke weggestohlen.
Der Gärtner hat die Hark gesucht
doch Unkraut hat im Park gewucht.

Auf des Parkes wegen bald
wucherte ein Regenwald.
Schon bildete am Parkerand
ein Dschungel seine starke Wand.
Der Gärtner voller Glück umfuhr
mit Moped dieses Stück Natur.

 

- 169 -

Sprachfanatiker

"Füßeball", das muß man wissen
wird gespielt mit beiden Füßen.
Noch ist dieses Spiel im Land
fälschlich als "Fußball" bekannt.

In allen Sprachen oder Ländern
muß man diesen Namen ändern
wie Grammatiker uns lehren
doch Fanatiker sich wehren!

Noch halten letztere zusammen
und kämpfen um den falschen Namen.
Doch wir wollen uns vertragen
künftig "Füßeballer" sagen.

 

- 170 -

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Ein sogenannter Freier fing
eine Laus, die an ihm hing.
Der Freier fühlt sich mies:
die Laus sackte ihn pies.

So schimpft er mit der sturen Laus:
"Du kommst doch aus dem Hurenhaus!"
In seiner großen Not
schlug er die Laus halb tot.

Daß sie sich nicht mehr rege
ging er zur Apotheke.
Ein altes Mittel, daß du's weißt
für solche Fälle Goldgeist® heißt.

 

- 171 -

Ein lebendes Fossil

Er galt bereits als ausgestorben
in der Kreidezeit verdorben
doch nach langer Suche fund
ein Forscher nun den Rüsselhund.
Dieser Fund gibt endlich Kunde
über Herkunft unsrer Hunde:

Wenn sie mit dem Schwanze wackeln
ähneln sie schon unsern Dackeln.
Auch watscheln sie auf dummen kleinen
typisch krummen Dackelbeinen.
Doch sie saugen mit dem Rüssel
Honig aus der Hundeschüssel.

 

- 172 -

Die Philolologie

Die Philololologen
haben überzogen
mit ihren enormen
Richtig-Schreib-Reformen.

Doch immerhin erfanden
sie Dreifach-Konsonanten
und sie selbst bekamen
drei Lo in ihrem Namen.

 

- 173 -

Wie der Vers den Reim verlor

Das Mittelalter war verdunkelt
doch ward gereimt, dazu geschunkelt.
So wurden Dichter arg gefoltert
wenn ihr Reim zu stark geholpert.

Das Reimen war schon sehr gefährlich
und es ist nicht schwer erklärlich
daß im Römisch-Deutschen Land
der Reim aus dem Gedicht verschwand.

Die Dichter und die Denker
entgingen so dem Henker.
Der Vers war um des Reimes bloß
und jeder dichtete drauflos.

 

- 174 -

Osnabrück 1

Ein stiller Mensch aus Osnabrück
kehrt nach Osnabrück zurück
und hat es nie verwunden
daß Osnabrück verschwunden.

Wo Osnabrück einst stand
fand er nur plattes Land.
Kein Haus, kein Strauch, kein Baum!
War Osnabrück ein Traum?

 

- 175 -

Osnabrück 2

Ein Irrtum wird hier korrigiert:
Bielefeld hat existiert!
Es war nur unterm Heu versteckt
und wurde kürzlich neu entdeckt.

Doch bemerken wir am Rand:
Wo sich angeblich befand
ein Städtchen namens Osnabrücke
gähnt tatsächlich eine Lücke.

 

- 176 -

Die Ballade von der armen reichen Königin

Die reiche Königin, sie klagte:
Immer immer nur Smaragde!
Und die schnöden Diamanten!
Und die blöden Anverwandten!

Jetzt ließen sich die beiden
meine Prinzen scheiden!
Sie achten auch kein Edelstein!
Sie schmachten an ein Mädel fein!

Ich geh auf allen vieren
so schwer sind die Saphiren!
Ich bin mir viel zu schade
für die fade Jade!

Alles bloß Ballast
ich meinem Großpalast!
Alles schöner Schein
in this fuckin' palace of mine!

Dies denkt die Königin im Stillen
doch hat sie einen starken Willen:
Sie will eine Currywurst
und hinterher so richtig Durst!

Ersatzweis Fish 'n' Chips
und hinterher 'nen Schwips!
Sie will auf jeden Fall
mal raus aus ihrem Stall.

Doch dann sprach sie voller Leid
weil sie aus Vergesslichkeit
ihre Krone hat verschlust:
I am not amused!

 

- 177 -

Der Marathonlauf

Ein Läufer lief von Marathon
in den nahen Ort Athen
und von dort sofort davon
und ward nimmermehr gesehn.

Immer weiter geht sein Lauf
er läuft und läuft und niemals steht er!
Man beschränkt sich heute auf
zweiundvierzig Kilometer.

 

- 178 -

Die neue Roboter-Generation

Von Robotern gibt's heute schon
eine Generation
die hat eine Seele
daß man sie nicht quäle.

Solch ein Roboter besteht
aus einem Werkstoff, der vergeht
trotzdem steht er hochgewandt
mit fünfundsechzig noch am Band.

Zieht man dann den Stecker raus
glüht in ihm ein Wecker aus
und er wird amorph
und zerfällt zu Torf.

 

- 179 -

O du schöner Westerwald

O du schöner Westerwald
über deine Höhen pfiff der Wind so kalt!
Doch durch Wandelung im Klima
ist das Wetter dort jetzt prima.

Des Westerwaldes wilder Wind
säuselt heut schon mild und lind.
Die Forschung sagt: in Bälde
weicht des Waldes Kälte.

Auf des Westerwaldes Höhn
werden dann Zypressen stehn
und der warme Sonnenschein
dringt tief ins Herz hinein.

 

- 180 -

Bielefeld

Was ist mit Bielefeld geschehn?
Ist Bielefeld ein Phänomen?
Hat das Schicksal von Atlantis
mit Bielefeld eine Bewandtnis?

Doch Atlantis ist versunken
während Bielefeld erstunken
und von vornherein erlogen!
Wer dran glaubt der ist betrogen!

 

- 181 -

Atlantis

Manche Wanderkarten führen
zu Zielen, die nicht existieren.
Der Wanderer wird lange suchen
und am Ende bange fluchen
wenn es ihm am Ziele fehlt
beispielsweise Bielefeld.

 

- 182 -

Die Wartburg

Auf der Wartburg wartete
Albrecht der Entartete (1240-1314)
auf potente Käufer
denn er war ein Säufer
und er wollte weitersaufen
doch keiner seine Wartburg kaufen;
so hat er gewartet
und ist dann entartet.

So blieb die Immobilie
in Albrechts Familie.
Wie die Burg Verwendung fand
ist dem Protestant bekannt.
Später ist die Burg verfallen
und gehörte plötzlich allen.
Wir Steuerzahler sind betroffen:
Ach hätt der Albrecht sie versoffen!

 

- 183 -

Berlin (Südost 36)

Ein Dichter in genannter Stadt
eine schlimme Unart hat:
Er soff, daß sich der Balken bog
weshalb er nach Kreuzberg zog.

Denn dort fiel sein Suff
keinem Menschen uff.
Alle Nachbarn, die er trifft
sind besoffen und bekifft.

Doch nun galt des Dichters Wirken
in den westlichen Bezirken
beispielsweise Zehlendorf
als zu östlich und amorph.

 

- 184 -

Das Schweineschnitzel

Ein Mann saß vor dem dicken
Schweineschnitzel und ward traurig:
Die Zustände in Tierfabriken
sind bekanntlich allzu schaurig.

Doch hat der Mann trotz dessen
(da das Schweineschnitzel recht gut schmeckt)
dieses gänzlich aufgegessen
und Bedenken weggesteckt.

 

- 185 -

Der Tierfreund

Im Märchen sind die Wölfe böse.
Ein Tierfreund fragt, wie man die Tiere
von diesem Vorurteil erlöse
auf daß der Wolf die Wälder ziere.

Der Wolf sei mild und gut
und kein Grund zur Klage.
Das Mädchen mit dem Roten Hut
sei eine dumme Sage.

So ging der Tierfreund in den Wald
und sucht den Wolf, indessen
wurde er im Wald sehr bald
von einem Wolf gefressen.

 

- 186 -

Der Dichter im Regen

Ein Dichter schritt fürbaß
hierbei ward er naß.
Ein Kind, das ihm begegnete
sagt ihm, daß es regnete.

Doch er sinnt, ob er find
ein Verbum, das mit "wr" beginnt.
Doch fand er keins und ging nachhaus
und wrang sein nasses Hemmed aus.

 

- 187 -

Wasserknappheit droht

Wasser macht uns Menschen naß
somit sorgt das Wasser daß
wir Menschen nicht verdorren
und zusammenschnorren.
Wird das Wasser knapp
machen alle schlapp.

Deshalb forschen alle Staaten
nach modernen Surrogaten.
Ohne Wasser bliebe dann
als Ersatz nur Bier vom Hahn.
Noch hängt der Mensch am Wassertrauf
doch der Bierhahn holt rasch auf.

 

- 188 -

Die Plastiktüte

Es war eine Plastiktüte
die war der Elastik müde.
Der Griff der Plastiktüte brach
(oft ist dieser Griff zu schwach).
Auch zerbrach in großem Schmerz
des Plastiktütenträgers Herz.

Der Plastiktütenträger stand
schmerzgebannt am Straßenrand.
Da sie überladen
entstand großer Schaden
weil ihr Inhalt sich als Soß
in die Gosse sich ergoß.

 

- 189 -

Theologia Simplicissima

Ob Gott lebt, sei nicht gefragt!
Die Frage ist: hat er versagt?
Manch ein böser Ketzer glaubt
Gott sei dümmer als erlaubt.

Solche Ketzer grübeln
über allen Übeln.
Solch ein falsches Denken
sollte man sich schenken.

Nietzsche oder Schopenhauer
wurden hieraus auch nicht schlauer.
Besser bleiben wir beim schlauen
hergebrachten Gottvertrauen.

 

- 190 -

Einsamkeit

Ein Single ohne Kinder
legte, da es Winter
sich in sein warmes Winterbett
ging von dort ins Internet
und schilderte bis Morgengrauen
seine schweren Sorgen Frauen.

Diesen er enthüllte
daß er sich einsam fühlte,
worauf eine Frau enthüllt
daß auch sie sich einsam fühlt.
Sie ließen es dabei bewenden
da auf verschiednen Kontinenten.

 

- 191 -

Der böse Bube

Ein böser Bube pinkelt froh
stehend ins Gemeinschaftsklo
denn die Vorschrift, daß er sitz
hält er für 'nen schlechten Witz.

Feige rennt der Bube los
somit ist sein Kloverstoß
bisher nicht geahndet,
doch es wird gefahndet.

 

- 192 -

Der Stausee in der Eifel

Ein Knab verrichtet seine Durft
in ein Bächlein namens Urft.

Die Urft ist ohne Zweifel
der klarste Bach der Eifel.

Durch Stauung wird die Urft verbessert
im Stausee wird die Durft verwässert.

 

- 193 -

Wie der Mond zu seinem Namen kam

Seit Erfindung unsrer Sprache
kam der Urmensch rasch zur Sache
und zermarterte sein Hirn
nach Namen für das Nachtgestirn.

So gab es denn ein Preis-
ausschreiben und mit Fleiß
fand man den Namen "Mond".
Der Finder ward belohnt.

So ward der Mond als Mond bekannt.
Hätt der Urmensch den Trabanten
beispielsweise "Schups" genannt
wär viel Lyrik nicht entstanden.

 

- 194 -

Schöne Literatur

Der Dichter will mit seinem Dichten
der Welt ein gutes Werk verrichten
und hält mit seinem Weltenwerk
somit selten hinterm Berg.

Um den Leser zu verwöhnen
schreibt der Dichter oft vom Schönen.
Er meint, er sei's dem Leser schuldig
doch Letzterer wird ungeduldig.

Der Leser will zum Ofen rennen
um das Machwerk zu verbrennen.
Die Zentralheizung indessen
schützt den Dichter vorm Vergessen.

 

- 195 -

Dank- und Bittgebet

Herr! Ich leide keine Not
Du gibst mir mein täglich Brot.
Doch leb ich nicht von Brot allein
ein bißchen Brotbelag soll sein.
Drum auch den Brotaufstrich mir gib:
die ALDI-Würzstreichwurst ist hip!

 

- 196 -

Die Bettlektüre

Ein Leser las ein Buch
bald hatte er genuch.
Was will ihm dieser Autor sagen?
Er kann ihn nicht persönlich fragen:

Was ist des Buches Hintergrund?
Ist es etwa blinder Schund?
Der Leser schmeißt es in die Ecke
und schaut ratlos an die Decke.

Der Leser wälzt sich aus dem Bette
frequentiert die Toilette
und widmet sich erneut dem Buch
zu einem zweiten Buch-Versuch.

Dieses war des Lesers Fluch.

 

- 197 -

Der kranke Bombenleger

Ein Bombenleger wurde krank
konnte keine Bomben legen
und er lagert sie deswegen
ordentlich in seinem Schrank.

Der Bombenleger hat gehustet
dazu fieberkrank gezittert
hierdurch ward der Schrank erschüttert
und er wurde weggepustet.

 

- 198 -

Kinderreim

Messer Gabel Schere Licht
sind für kleine Kinder nicht.

Eine Handgranate ist
nichts für einen guten Christ.

 

- 199 -

Die Tiefkühlpizza

Die Pizza dreht sich auf der Stelle
helle in der Mikrowelle:
Wie das wallet und siedet und brauset und zischt
wenn der Käs mit Salami sich mischt.

Die Pizza dreht im Rad der Zeit:
es dauert eine Ewigkeit.
Doch auch dieses Rad steht still
wenn mein starker Arm es will:

Pling!

 

Der Qualitätsreim

(Reim Nr. 200)

Der allerbeste Reim
war bisher geheim.

Der Dicher suchte viele Stunden
und hat ihn dennoch nicht gefunden.
Da ist der beste Reim von allen
ihm im Traume eingefallen.
Der Reim war gänzlich unbekannt;
alle warten wir gespannt:

Dieser Reim nicht nur sehr gut war
zudem war er unkaputtbar.
Leider ist er patentiert
was rein rechtlich dazu führt
daß er zwar den Dichter freute
doch er darf nicht unter Leute.

Somit bleibt der beste Reim
leider weiterhin geheim.

 

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